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52 Stunden, 3 Busse, 2 Flugzeuge, eine Fähre

So, etwas verspätet der nächste Blog vom Ende der Welt. Nicht, weil es sich hier so anfühlt, sondern weil es wirklich so ist. Wir sind hier in der südlichsten Stadt der Welt. In Ushuaia. Und den Weg hier her mussten wir uns wohl erst verdienen.

Aber mal von Anfang an.

Am Donnerstag, als wir noch in Iguazu waren, haben wir den Tag über… Nichts gemacht. Es hatte über 30 Grad und deswegen einfach zu warm für alles. Meine App hatte eigentlich Gewitter angezeigt. Aber bis 5 war nicht eine Wolke am Himmel. Von einer auf die anderen Sekunde kam das angekündigte Gewitter dann. Und zwar richtig. Wir haben und schützend in der offenen Küche hinter einem Bretterzaun verkrochen und mussten feststellen, dass Hagel ganz schön weh machen kann.

Aber genauso schnell wie es angefangen hat , hatte es auch wieder aufgehört und wir blieben staunend noch ein bisschen über den Hagelkörnern stehen, die die Größe von 2€ Stücken hatten.

Dann gings nach einer kulinarischen Köstlichkeit (ja ok, es gab wieder Nudeln mit Soße) an Flughafen. Nach einigen Problemchen mit den Flugtickets standen wir etwas ratlos am Flughafen. Wir haben nicht ganz das System vom einchecken verstanden. Es saß einfach keiner am Schalter. Aber einfach durchlaufen konnten wir ja auch nicht. Also erst mal hinsetzen und schauen, was die anderen so machen. Als sogar die Japaner fragend umgedreht sind um sich einen Sitzplatz zu suchen wussten wir, so falsch können wir nicht sein. Irgendwann haben sie unseren Flug dann aufgerufen und der ganze Flughafen sprang auf um sich anzustellen. Dass wir ein großes Deo im Rucksack hatten, hat keinen Interessiert. Geht also doch keine so große Sprengstoffgefahr davon aus. Anders, als es die Kollegen in Frankfurt von einem Rolldeo vermutet haben.

Dann gings auch schon los in den Flieger. Bequem ist anders, aber wir sind ja nicht wählerisch. Wollten ja eigentlich nur schlafen. Nach zwei Stunden kamen wir in Buenos Aires an. Dort hatten wir 4 Stunden Aufenthalt in denen wir uns (Entschuldigung für den Ausdruck) den Arsch abgefrohren haben. Uns blieb ein Rätsel, warum der Flughafen auf gefühlte 2° Celsius runtergekühlt wurde. Wobei wir wieder feststellen mussten, dass wir wohl ein falsches Wärmeempfinden haben. Als wir boarden konnten standen tatsächlich welche m T-Shirt in der Schlange.

Dann gings weiter nach Comodoro Rivadaria. Kein sonderlich schöner Ort, wie wir feststellen mussten. Als wir am Busbahnhof ankamen und uns gesagt wurde, dass der Bus nach Ushuaia in 10 Stunden fährt, haben wir schon kurz geschluckt. Aber wir können ja die Stadt anschauen, die im Reiseführer schon als äußerst hässlich beschrieben wurde. Und sie hat uns nicht enttäuscht. Nicht mal am Strand konnten wir schön picknicken. Es hat einfach zu sehr gestunken.

Also wieder zurück an Busbahnhof. Zum Glück haben die Argentinier absolut keinen Modegeschmack und so konnte man wenigstens Leute beobachten. Es kann tatsächlich nicht jeder eine Leggins tragen. Aber genau die, die es nicht können, machen es voller Stolz. Von den Schuhen ganz zu schweigen. Wir armen Kinder der 90er mussten erfahren, wie es wohl gewesen sein muss in den 80er Jahren zu leben. Also kleidungstechnisch absolut kein high light.

Und so haben wir auch diese 10 Stunden rumgebracht. Dass dann der Bus noch eine Stunde Verspätung hatte, war gar nicht mal so cool. Aber immer hin kam er. Und los gings nach Ushuaia über Rio Gallegos. Was der Bus in den 11 Stunden Fahrt getrieben hat, dass wir mit 3 Stunden Verspätung dort ankamen, bleibt ein Rätsel. Aber der weitere Bus hat auf uns gewartet. Gott sei Dank. Ich habe mir schon sämtliche Formulierungen auf Spanisch überlegt, wie ich die Situation beschreiben und verhandeln kann, dass wir heute noch weiter können. Wir waren so glücklich, als wir im Bus saßen, dass uns egal war neben dem Klo zu sitzen. Und auch die stinkende Kaffeemaschine war zweitrangig. Auch, dass wir dem Busfahrer gesagt haben, dass wir deutsche sind und „Inglourious Basterds“ im Bus lief nahmen wir mit einem Lächeln hin. Hauptsache wir schaffen es am selben Tag zur südlichsten Stadt der Welt. Aber so leicht sollte es uns nicht gemacht werden.

„Wir fahren über Chile“, hat der nette, dickliche Busfahrer gemeint. Na gut. Uns egal. Aber man darf kein Obst, keine Wurst und auch sonst nichts einführen. Gut, dass wir noch Salami, Käse und 4 große Äpfel im Rucksack hatten. 2 Äpfel konnten wir essen, die anderen zwei haben wir weggeworfen. Dachten wir zumindest. Als wir dann an der Passkontrolle angestanden sind, kam eine kleine Chilenin samt Spürhund, unseren Äpfeln und dem Busfahrer hinter uns. Das seien doch unsere, die müssen wir deklarieren. Okay, machen wir. Aber wiederbekommen haben wir sie nicht. Und die Salami hat auch den direkten Weg geschafft, ohne Deklaration. Damit wir auch lernen, dass man solche Späße nicht mit der chilenischen Grenzkontrolle machen soll, hat der Früchtespürhund vor unseren Augen unsere Äpfel zum fressen bekommen. Okay, wir haben ja verstanden. Keine Äpfel! Er hat in einem Rucksack auch noch eine Orange gefunden. Er macht seine Sache wirklich sehr gewissenhaft.

Als wir dachten, das Schlimmste hätten wir hinter uns, kam auch noch ein Drogenspürhund. Die Männer auf die eine Seite des Containers, die Frauen auf die andere. Einer der Mitreisenden hat es leider nicht geschafft, alle anderen durften sich dann wieder frei bewegen. Wer geglaubt hat, es geht endlich weiter, hatte weit gefehlt. Sie haben wohl tatsächlich irgendwelche Drogen gefunden. Deswegen saßen wir noch mal 2 Stunden im Bus (der natürlich die ganze Zeit den Motor hat laufen lassen) bis wir uns endlich in Bewegung gesetzt haben.

Über ruckelnde Straßen ging es dann weiter in Chile. Wobei Straße etwas übertrieben ist. Es war ein Schotterweg. Und so wurde ich sanft in den Schlaf gerüttelt, wie früher von meiner Mama. Nur ohne Pitje Puck. Gut geschlafen hab ich trotzdem.

Da wir dann noch mit einer Fähre fahren mussten, hieß es wieder aussteigen. Und wieder einsteigen.

Die Ausreise aus Chile und die Einreise nach Argentinien verlief dann reibungslos. Die Landschaft war traumhaft schön, vorbei an Schafen, Alpakas und Kühen.

Einmal sollten wir nochmal den Bus wechseln, dann hätten wir es geschafft. Und tatsächlich kam das Ende dieser unendlichen Reise quer durchs Land immer näher. Nach 52 Stunden, wohlbemerkt fast doppelt so lange wie wir von Europa nach Südamerika gebraucht haben, kamen wir endlich im Hostel an. Und konnten es fast nicht glauben, wirklich in einem Bett zu liegen.

 

Aber die Reise hat sich gelohnt. Es ist ein wunderschöner Ort, zwischen Meer und Bergen. Der Versuch auf den Gletscher zu wandern wurde zwar seitens des Wettergottes unterbunden, aber was solls. Wir sind ja mittlerweile einiges gewohnt. Bei Sturm, Regen und gerade einmal 2° haben wir nach einer halben Stunde umgekehrt.

Und seit her sitzen wir im warmen Hostel, während es draußen schneit.

Morgen geht’s zu einem Nationalpark hier. Dann gibt es auch wieder Bilder J

19.10.15 01:10

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